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Dom und Severikirche

Severikirche mit Bauresten des Vorgängerbaus

Severikirche, Vorgängerbau. In Resten erhaltene Hauptapsis

Torso der Peterskirche, Ansicht von Südosten

 

Erfurt, der Dom Beatae Mariae Virginis, die Stiftskirche St. Severi und die Peterskirche

Wenn es um die frühe Kirchengeschichte Erfurts geht, sind insbesondere drei Kirchenbauten in Erfurt von Bedeutung.

Erstens der Dom: Erfurt führt seine Ersterwähnung auf Bonifatius zurück, der 742/743 einen Brief an Papst Zacharias gesandt haben soll, mit der Bitte, die Bistümer Würzburg, Erfurt und Büraburg gründen zu dürfen. Die Stiftskirche Beatae Mariae Virginis (der heutige Dom) ist gemäß der Tradition eine Stiftung Bonifatius’ aus dem Jahr 752.

Zweitens: Die Stiftskirche St. Severi soll aus einer Paulskirche hervorgegangen sein, die nach der Übertragung der Reliquien des Hl. Severus im Jahr 836 zur Severikirche wurde.

Drittens: Nach einer Nachricht aus dem 12. Jh. soll das Kloster auf dem Petersberg im Jahr 706 durch den fränkischen König Dagobert gegründet worden sein. Da die traditionelle Geschichte im Jahr 706 keinen König Dagobert kennt, wird diese Urkunde von der Forschung als Fälschung abgetan.

Festzustellen ist für Erfurt, dass die frühe Geschichte dieser Kirchen als auch der Stadt selbst nur auf dem Papier existiert. Die frühesten Funde - wenn man von kaiserzeitlichen Funden und solchen aus der Zeit des Thüringer Königreichs absieht - werden von den Archäologen in das 10. Jh. datiert. Vor kurzem, am 11.07.2016, vermeldete die Thüringer Allgemeine, dass in Erfurt womöglich(!) erstmals(!) Spuren aus der Bonifatiuszeit gefunden wurden.

Auf dem Petersberg wurde ein Grab gefunden, das aufgrund einer Obolus-Münze Lothar I. als karolingisch datiert wird. Das Grab gilt als der erste Nachweis der Nutzung des Petersbergs in karolingischer Zeit [ALTWEIN, 114]. Ob dieses einzelne Grab für die Stadt Erfurt im 9. Jh. spricht, erachte ich für sehr fraglich. Da ich die Geschichte der Karolinger als konstruiert sehe, bedarf die Zuordnung und Datierung der Münze einer neuen Beurteilung.

 

Frühe Schriftquellen

 

742

Erste Erwähnung Erfurts in einem Brief des Bonifatius an Papst Zacharias, in dem Bonifatius um die Errichtung von Bistümern in Würzburg, Buraburg und Erfurt ersucht. Der Brief ist nicht im Original erhalten, sondern nur in der Vita des Mönchs Otloh erwähnt, der im 11. Jh. gelebt haben soll. Die Erfurter Tradition geht von dem Vorhandensein eines Kirchenbaus zu dieser Zeit aus.

802

Erwähnung eines palatium publicum (vermutl. Königspfalz) in Erfurt

805

Kapitular Karls des Großen, Erhebung Erfurts zum Grenzhandelsplatz mit Slawen und Awaren

836

Translatio S. Severi, Schreiben an den Mainzer Diakon Erlarius betr. u. a. die Überführung der Severus-Reliquien nach Erfurt in eine Paulskirche

852

Hoftag Ludwig II. in Erfurt

932

Synode in Erfurt

936

Reichstag in Erfurt, auf dem Otto I. zum Nachfolger seines Vaters Heinrich I. gewählt wurde

1080

Severikirche und Peterskirche werden von Heinrich IV. angezündet (Weltchronik)

Da ich - wie auf der Startseite meiner Homepage ausgeführt - die Geschichte der Karolinger als auch die Geschichte der Ottonen für ein späteres Geschichtskonstrukt halte, sind alle o. a. frühmittelalterlichen Quellen ebenfalls Teile dieses Konstrukts. Wie die Geschichte der Karolinger i. W. frei erfunden ist, ist die Person des Bonifatius pure Erfindung. Zu den m. E. einzigen substanziellen Nachrichten, das ist die Translatio S. Severi und die Nachricht zur Brandschatzung der Severikirche und der Peterskirche im weiteren Text.

 

Stiftskirche Beatae Mariae Virginis (Dom)

Wie oben bereits erwähnt, soll 742/743 das Bistum Erfurt durch Bonifatius gegründet worden sein, worin der heutige Dom seine Wurzeln sieht. Das Bistum wurde um 750 schon wieder aufgehoben [WERNER, 49].  Im Jahr 752 soll dann die Einrichtung des Stifts erfolgt sein.

Die frühesten Bauteile des stehenden Baus sind romanisch. Dieser romanische Bau ist gemäß den Quellen ab 1154 entstanden, nachdem 1153 eine vorhandene Kirche eingestürzt war. Grabungen in größerem Umfang sind noch nicht durchgeführt worden. Da der Dom wie die meisten Kirchen Erfurts glücklicherweise im Krieg kaum gelitten hat, gab es „leider" nicht die Möglichkeit für großflächige Untersuchungen wie das vielleicht andernorts möglich war.

Bei 1991/1992 erfolgten Gründungsarbeiten für die neue Hauptorgel im Westen der bestehenden Kirche wurde in 3 m Tiefe ein gebogener Mauerzug freigelegt, den die Archäologen als ehemalige Westapsis identifizieren und dem 12. Jh. zuordnen (siehe Archäologischer Wanderführer Thüringen Heft 6  Stadt Erfurt). Diese späte Datierung wird durch Knochen- und Keramikfunde gestützt. So fand man unter mehreren Bodenschichten einen Haufen zusammengeschobener menschlicher Knochen. Die Untersuchung an einem einzelnen Knochen ergab eine Datierung 1038 ±44. SCZECH sieht diese Bestattungen in Verbindung mit einem noch nicht aufgefundenen älteren Vorgängerbau [SCZECH 2007, 114f und 2015, 121f]. Dem muss man nicht unbedingt folgen. Möglicherweise sind die Knochen Reste eines ehemaligen Friedhofs an dieser Stelle, der noch im 11. Jh. benutzt wurde.

Die aufgefundene Westapsis weist darauf hin, dass der im 12. Jh. errichtete und schon 1153 wieder eingestürzte Bau eine doppelchörige Anlage gewesen war. Obwohl für Westchöre und damit doppelchörige Anlagen eine Häufung in der ottonischen und salischen Epoche bis zum Ende des Frühmittelalters zu vermerken ist [MANN, 163], ist dieses bauliche Motiv auch noch im 12. Jh. und sogar später hin und wieder anzutreffen, z. B. am Naumburger Dom.

1153 wird von dem Einsturz der major ecclesia berichtet, d. h. der kurz zuvor begonnene Bau stürzte schon wieder ein. Der Baubeginn des Neubaus erfolgte bereits 1154. „Rein zufällig“ wurden bei den Ausschachtungsarbeiten für den Neubau die Gebeine der Bonifatius-Gefährten Adolar und Eoban gefunden, womit für den Neubau entsprechend attraktive Reliquien zur Verfügung standen.

Die erstmalige urkundliche Erwähnung der Kollegiatstiftskirche Beatae Mariae Virginis als "maior ecclesia" ist aus dem Jahr 1117.

Wenn man die frühe Nennung und alle Vermutungen außer acht lässt, kommt man zu einem sehr ernüchternden Ergebnis. Gründung und Bau des ersten Doms erfolgten erst am Beginn des 12. Jh. Für einen Kirchenbau vor dem 12. Jh. an der Stelle des heutigen Doms gibt es bisher keinen einzigen archäologischen Beleg.

 

Stiftskirche St. Severi

Der erste schriftliche Beleg, der der Severikirche zugeschrieben wird, ist die Nachricht über eine Reliquientranslation des Körpers des hl. Severus aus Ravenna zuerst nach Mainz und von dort aus nach Erfurt in eine Paulskirche im Jahr 836. Da diese Reliquien bis heute in der Severikirche verehrt werden, wird diese Nachricht auf die Severikirche bezogen. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass die Severikirche zuvor eine Paulskirche war, die durch die Reliquientranslation einen Patrozinienwechsel erfuhr und zur Severikirche wurde [LEHMANN   / SCHUBERT, 180].

Die Lokalhistorie erwähnt immer wieder ein angeblich urkundlich überliefertes karolingisches Nonnenkloster St. Paul, zuletzt wieder im Archäologischen Wanderführer Thüringen Heft 6 Stadt Erfurt [20], bei SCZECH [2007,115] und ALTWEIN [113]. In diesem Zusammenhang wird immer wieder angeführt, dass für den Bau der bischöflichen Burg auf dem Domhügel 1123 ein Nonnenkloster von dort auf den Cyriaxberg verlegt worden sei (Das Patrozinium dieses Nonnenklosters ist unbekannt). Von Experten zur Mittelaltergeschichte Erfurts (Prof. Heinemeyer, Prof. Werner) erhielt ich auf meine Anfrage die Auskunft, dass es zu 1123 weder eine Urkunde noch eine chronikalische Nachricht über die Verlegung eines Nonnenklosters und den Bau der erzbischöflichen Burg gibt. Eine Nachricht in der Vita des hl. Severus betr. eines Nonnenklosters in Mainz würde irrtümlich auf Erfurt bezogen. Das Cyriaxkloster wird in der schriftlichen Überlieferung erstmals 1133 genannt. Hier wird offensichtlich von der Lokalhistorie Einiges durcheinander gebracht und immer wieder abgeschrieben.

In den Jahren 1960 bis 1962 wurde unmittelbar nördlich der Severikirche eine Grabung durchgeführt. Ziel war der archäologische Nachweis des o. a. karolingischen Nonnenklosters St. Paul. Bei den Grabungen wurden in 3,50 m Tiefe Reste eines durch Feuer zerstörten Fachwerkbaus aus dem 10. Jahrhundert gefunden [Archäologischer Wanderführer Thüringen, 20].

Die erste wirkliche schriftliche Nennung der Severikirche erfolgt in der Weltchronik des Ekkehard von Aura (ca.1085–ca.1125) zum Jahr 1079/1080, wo erwähnt wird, dass während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Heinrich IV. und dem Erzbischof von Mainz als Anhänger des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden neben der Peterskirche auch die Severikirche angezündet und zerstört wurde. In der Übersetzung PFLÜGERs ist speziell dieser Passus als „Zusatz einer jetzt in Gotha befindlichen Handschrift“ gekennzeichnet. Nach WERNER [47] erfolgte die Abschrift und Ergänzung um 1150 im Erfurter Peterskloster.  Bezeichnenderweise wird die Stiftskirche Beatae Mariae Virginis, der heutige Dom, in dieser Nachricht gar nicht erwähnt.

Die Nachricht über die Zerstörung der Severikirche im Jahr 1079/1080 enthält zusätzlich die Information, dass der Neubau kleiner und an derselben Stelle erfolgte, d. h. danach gab es davor zumindest noch einen Vorgängerbau, der größer gewesen sein soll und sich an derselben Stelle befunden haben soll.

Nun zu den materiellen Hinterlassenschaften. Die heute stehende Severikirche ist ein 1275 begonnener relativ einheitlicher Bau. Im Grundriss der Severikirche – wo man die in den Quellen erwähnten Vorgängerbauten vermutet - erfolgten bisher keine archäologischen Untersuchungen. Somit wusste man bis zur Zeit so gut wie nichts über etwaige Vorgängerbauten und damit über die frühe Baugeschichte der Severikirche.

Im Jahr 2005 wurden am Fuß des Domhügels östlich der Severikirche Baureste aufgedeckt, die offensichtlich einer romanischen Kirche zuzuordnen sind. Ergraben wurden drei nebeneinander liegende gebogene Fundamente, deren Ausrichtung nach Osten sofort an Apsiden eines Kirchenbaus denken ließ. An den zwei südlichen sind bis zu zwei Lagen des aufgehenden Mauerwerks mit romanischem Sockelprofil erhalten. Diese beiden zeigen darüber hinaus Ansätze von Lisenen. Bei dem nördlichen Fundament ist nur die unterste Lage erhalten. Merkwürdig dabei ist jedoch, dass die beiden äußeren größer sind als die mittlere. Östlich davor wurden in einer Auffüllung aus Abbruchmassen Bruchstücke eines Putzes mit Wandmalereien und qualitätvolle Stuckreste mit Palmettendekor gefunden.

Die aufgefundenen Baureste werden von einer Mauer überschnitten, die die Archäologen dem 13. Jahrhundert zuweisen, d. h. dass dieser Kirchenbau im 13. Jahrhundert nicht mehr nutzbar war.

Nach einer ersten Einschätzung wurden die beiden südlichen Fundamente als Apsiden eines romanischen Kirchenbaus interpretiert und in der nördlichen eine angebaute Kapelle gesehen [SCZECH, 2006].

Nach meiner Auffassung weist die sichtbare Chorecke die südliche große Apsis eindeutig als Hauptapsis aus. Die nördlich anschließende kleinere Apsis war zweifelsfrei eine Nebenapsis. Die Ostwand des zugehörigen Nebenchores ist gegenüber der Ostwand des Hauptchores zurückgesetzt. Beide Apsiden zeigen eine ehemals vorhandene Lisenengliederung.  Südlich der Hauptapsis hat sich mit Sicherheit eine weitere Nebenapsis befunden, wo aber nicht mehr gegraben wurde. Damit haben wir eindeutig eine im 12. Jahrhundert übliche Chorlösung einer Reformordenskirche (Augustiner Chorherren, Hirsauer, Prämonstratenser) vor uns.

 

            

               

Haupt- und Nebenapsis der ergrabenen Kirche
(vor Nebenapsis späterer Brunnen)

                              

                        Zwickel Hauptchor und Nebenapsis

 

Die große Nordapsis lässt sich derzeit schwieriger einordnen. Sie hat dasselbe Sockelprofil wie die Hauptapsis der Kirche, was auf eine gleichzeitige Errichtung hinweisen könnte. Ich denke, dass man sich mit der Interpretation als Kapelle vorerst anfreunden muss. Die zugehörige Klausur hätte folglich auf der Nordseite gelegen (wie bei der Peterskirche auch).

Hinsichtlich der Form der Ostteile ist als territorial nächstes Beispiel der Bau I der Peterskirche Erfurt (ab 1103) anzuführen. Nähere Ausführungen dazu im folgenden Abschnitt "Peterskirche".

Da die aufgefundenen Reste zu einem Kirchenbau gehören, dessen Grundriss den üblichen Grundrisslösungen der Reformordenskirchen folgt, so ist eine ungefähre Grundrissrekonstruktion möglich. Mit der Breite der Hauptapsis lässt sich aufgrund des vorauszusetzenden quadratischen Schematismus die Jochgröße im Mittelschiff mit etwa    11 x 11 m bestimmen. Wenn man von einem Chorquadrat, einem Vierungsquadrat (mit Querarmen) und mindestens 3 Mittelschiffsjochen ausgeht, so ergibt sich eine Gesamtlänge des Baus (ohne Apsis) von etwa 55 m. Das Mittelschiff der Peterskirche hat 5 etwa quadratische Joche (einschl. Westbau) und ist damit noch deutlich länger als meine obige Minimalannahme. Die Seitenschiffe besaßen die halbe Breite, also ca. 5,5 m. Dazu würde die Apsisbreite der Nebenapsiden von etwa 4 m passen. Nimmt man sich einen Lageplan vor und trägt die angenommenen Abmessungen ein, so erstreckte sich der Bau bis weit in den heutigen Bau der Severikirche.

 

 

Hat man anfangs in Erfurt von der Entdeckung eines unbekannten Kirchenbaus gesprochen, wird heute von den Archäologen davon ausgegangen, dass dieser Bau wahrscheinlich ein Vorgängerbau der Severikirche war.

Ich schließe mich der Identifikation der Baureste als Vorgängerbau der Severikirche an, jedoch widerspreche ich der angedeuteten Rekonstruktion von SCZECH [2007, 115], dass die aufgefundenen Baureste „auf einen gewaltigen Ostchor in romanischer Zeit hinweisen, der in seinen Dimensionen dem gotischen Chorbau des benachbarten Doms entsprach.“ Ich sehe in diesem Fund eindeutig einen eigenständigen Vorgängerbau.

Die aufgefundene Kirche kann nur der Neubau nach der Zerstörung durch Heinrich IV. im Jahr 1079/1080 sein. Sie ist damit der unmittelbare Vorgänger der bestehenden Severikirche und stand nicht auf dem Dom- bzw. Severihügel sondern am Fuß desselben.

Da sich der rekonstruierte Grundriss mit dem Grundriss der rezenten Kirche überschneidet, muss zumindest ein Teilabriss während der Bauarbeiten für den Neubau erfolgt sein. Nach LEHMANN / SCHUBERT [182] wurde die Kirche zu Beginn der Bauarbeiten für den Neubau nicht vollständig abgerissen, sondern während der Bauarbeiten weiterbenutzt. Es gibt urkundliche Nachrichten aus den Jahren 1282, 1286 und 1295, aus denen hervorgeht, dass die Geistlichen ihren liturgischen Pflichten weiter nachgekommen sind [LEHMANN / SCHUBERT 182].

Die Mauer, die die aufgefundenen Baureste heute überschneidet, kann erst nach vollständiger Aufgabe der Nutzung des Baus errichtet worden sein, spätestens mit Innutzungnahme des hochgotischen Neubaus,  d. h. wahrscheinlich erst im 14. Jh.

Entsprechend der in der Weltchronik des Ekkehard von Aura nachgetragenen Nachricht soll an der Stelle des nach 1079/1080 erfolgten Neubaus zuvor ein größerer Vorgängerbau existiert haben. Von diesem ist bisher keine Spur entdeckt worden. Der Zusatz soll nach WERNER um 1150 erfolgt sein, d. h. ca. 70 Jahre nach der Zerstörung. Von den damals Lebenden dürfte keiner diesen größeren Vorgängerbau je gesehen haben. Zweifel am Zutreffen dieser speziellen Information sind m. E. angebracht. In der Regel erfolgte der Nachfolgebau auch nicht kleiner als der Vorgängerbau.

 

Kirche des Benediktinerklosters St. Peter und Paul auf dem Petersberg (Peterskirche)

Der heute auf dem Petersberg noch zu besichtigende Torso einer romanischen Kirche ist der Rest der Klosterkirche des ehemaligen Klosters St. Peter und Paul. Der stehende Bau wurde 1103 bis 1147 errichtet und ist damit das älteste in Erfurt erhaltene Zeugnis der romanischen Baukunst. Die Gründung des Klosters erfolgte jedoch schon früher, um 1060. Gemäß einer Nachricht vertrieb der Erzbischof von Mainz um 1060 die auf dem Petersberg ansässigen Kanoniker und gründete das Benediktinerkloster St. Peter und Paul. Ich spare mir die eigentliche Klostergeschichte. Sie ist in der Literatur ausreichend verfügbar, z. B. WERNER.

Grabungen 1920/21 ergaben, dass es vor dem heute sichtbaren geraden Chorschluss eine Bauphase gab, die apsidiale Schlüsse von Hauptchor und Nebenchören hatte [BECKER 1920, 91f und BECKER 1929, 607ff]. Der Ausgräber und die bisherige Forschung sahen darin eine Planänderung "wahrscheinlich unter Leitung des 1127 aus Hirsau gekommenen Abtes Werner" [DEHIO, 359].

2015 veröffentlichte HOPF eine neue Arbeit zur Peterskirche, in der er die Auffassung vertritt, dass „ab 1103 lediglich ein neuer Dreiapsidenabschluss an die Ostseite einer älteren Kirche“ angefügt wurde [17]. Nach HOPF wurde ab 1127 die gesamte Altanlage niedergelegt und der heute noch stehende Bau in einem Zug errichtet. Die bei den Grabungen aufgefundenen Mauerzüge der älteren Kirche aus „unregelmäßig hammergerechtem Handquadermauerwerk“ datiert HOPF noch in das 10. Jh.

Meiner Meinung nach trifft die Neuinterpretation der Grabungsergebnisse durch HOPF nicht zu. Dagegen dürfte die Annahme einer Planänderung während des Baus weiterhin Bestand haben. Die Identifikation der bei der Grabung aufgefundenen Mauerzüge aus unregelmäßigen hammerrechten Schichtenmauerwerk als ottonisches Mauerwerk ist völlig willkürlich. Einleuchtender ist die Interpretation als Fundamente für die Chorarkaden. Warum diese an den Vierungspfeilern abbrechen und nicht nach Westen weiterführen, kann von hier aus nicht beurteilt werden. Möglicherweise sind diese Mauerzüge baugrundbedingt. Die Grabungen wurden aus Kostengründen vorzeitig abgebrochen [BECKER 1920, 92], weshalb das Ergebnis vielleicht noch unvollständig ist. Die exakt gleiche Ausrichtung der Mauerzüge mit dem stehenden Bau spricht eher für die Zugehörigkeit zu diesem.

Die erste Planung sah ein schmaleres Mittelschiff und breitere Seitenschiffe vor. Die Breite des Mittelschiffs wurde zu Lasten der Seitenschiffsbreite während des Baus geändert. Die o. a. Mauerzüge entstammen noch der ursprünglichen Planung mit dem schmaleren Mittelschiff. Dass die Planung während des Baus geändert wurde, ist an den Westtürmen eindeutig abzulesen. Diese sind noch für das schmalere Mittelschiff konzipiert. Darauf weist schon BECKER hin [1920, 91 und 1929, 616 und 627]. Warum HOPF in seinem Aufsatz BECKERs Hinweis kommentarlos übergeht, entzieht sich meiner Kenntnis. Bei der Planänderung war der Bau der Westtürme offensichtlich schon so weit fortgeschritten, dass ein Rückbau nicht mehr infrage kam. Vielleicht waren auch schon angrenzende Bauten, z. B. der Klausurwestflügel schon errichtet, was den Umbau sehr aufwändig gestaltet hätte. Wenn die Rekonstruktion von HOPF stimmen würde, wäre die Grundrissgestaltung des Westbaus schwer erklärbar.

Darüber hinaus belegen die im Fundamentbereich aufgefundenen Mauerzüge, dass der zugehörige Bau nach dem Schema des quadratischen Schematismus konzipiert wurde, zumindest bezüglich der Breiten von Mittelschiff und Seitenschiffen. "Der Querschnitt des älteren Baus entsprach also mit einem Verhältnis zwischen Seiten- und Mittelschiffweite von rd. 1:2 durchaus dem einer Normalbasilika"  [BECKER 1929, 611]. Das gebundene System ist vor dem 12. Jh. kaum nachzuweisen, womit auch aus diesem Grund die aufgefundenen Mauerzüge kaum ottonisch sein dürften.

Das Argument von HOPF, dass kein Ostabschluss des angeblichen Vorgängerbaus aufgedeckt wurde und damit der Dreiapsidenschluss nur zu dieser Kirche gehören kann, erledigt sich von selbst, wenn die Mauerzüge als Fundamente identifiziert werden.

Erfurt, St. Peter, Grundriss: oben Bau I, unten Bau II. Entnommen aus [SCHÜTZ/MÜLLER, 274]

      

      Erfurt, St. Peter, Grundriss Westbau. Entnommen aus [BECKER 1929, 601], Ausschnitt

 

 

Etwaige Vorgängerbauten sind noch immer unbekannt. So die Kirche der um 1060 vertriebenen Kanoniker. Wurde diese von den Mönchen weitergenutzt und wurde diese Kirche von den Truppen Heinrich IV. zerstört? Bei den Grabungen von 1920/1921, die jedoch vorwiegend die Ostteile erfasste, wurde im Grundriss des bestehenden Baus kein Vorgängerbau aufgedeckt. Ein solcher könnte natürlich außerhalb des Grundrisses des bestehenden Baus vorhanden gewesen sein. Warum sollte man den zu nutzenden Bau durch die Jahrzehnte dauenden Baumaßnahmen beeinträchtigen und komplizierte Provisorien in Kauf nehmen, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft genügend Fläche für einen Neubau zur Verfügung steht? Möglicherweise sind die Reste dieser Bauten im Zuge des Festungsbaus beseitigt worden, so dass wir heute keine Chance mehr haben, mehr darüber zu erfahren.

 

Die Datierungen des 8. und 9. Jh. in den Quellen

Die traditionelle Forschung geht wie selbstverständlich davon aus, dass die Datierungen in unserer Zeit (u. Z.) erfolgt sind. Dass dem nicht so ist, habe ich in meinem Aufsatz „Stimmt unsere Chronologie?“ dargelegt. Traditionelle Datierungen vor dem 10. Jh. können - sofern sie nicht gänzlich konstruiert sind - dem spätantiken (byzantinischen) Datierungsstrang angehören. Um zur richtigen Datierung zu gelangen, wären sie zu korrigieren. Es kommt jedoch eine Schwierigkeit hinzu. Wie ebenfalls in o. a. Aufsatz ausgeführt, wurde die Geschichte des Früh- und Hochmittelalters in unserer Region nachträglich konstruiert, d. h. weitestgehend frei erfunden. Es ist damit ziemlich unwahrscheinlich, dass die frühmittelalterlichen Datierungen für Erfurt echte Datierungen sind. Da Erfurt nach der Beseitigung des Thüringer Königreichs zum Frankenreich gehörte und dieses spätantik, d. h. byzantinisch, datierte, besteht trotzdem prinzipiell zwar die Möglichkeit, dass solche Datierungen spätantik sind, obwohl im 12. Jh. das Merowingerreich nicht mehr existierte und im 12. Jh. i. d. R. nicht  mehr spätantik datiert wurde. Die traditionelle Verbindung der Datierungen des 8. Jh. mit der Person des Bonifatius erachte ich jedoch für nachträglich erfunden, wie ich generell die Person des Bonifatius für frei erfunden halte (siehe meinen Aufsatz "Geschichte des Frühmittelalters in Mittel- und Westeuropa").

Trotzdem versuche ich die Korrektur der traditionellen Datierungen:

Gründung des Bistums Erfurt:                            743         =       korrigiert 1161

Aufhebung des Bistums Erfurt                            750         =       korrigiert 1168

Gründung des Stiftes Beatae Mariae Virginis:   752         =       korrigiert 1170

Translation der Reliquien des Hl. Severus:        836         =       korrigiert 1254

Die Jahreszahlen 1161 bis 1170 passen sicher gut zum Domneubau ab 1154.
Das Jahr für die Reliquientranslation des Hl. Severus 1254 korrespondiert auffällig mit dem ab 1275 erfolgten Neubau der Severikirche. Könnte die Übertragung der Reliquien der Anlass für den Neubau gewesen sein?
Dem widerspricht noch, dass der Zusatz in der Weltchronik des Ekkehard von Aura, in dem die Severikirche erwähnt wird,  nach WERNER schon 1150 erfolgt sein soll. Möglicherweise irrt sich WERNER diesbezüglich und der Zusatz erfolgte wesentlich später, nämlich erst im 13. Jh.

Es gibt noch ein m. E. bemerkenswertes Detail zur Peterskirche. Nach einer in die Abschrift der Annalen des Hersfelder Mönches Lampert um 1110/1131 eingefügten Nachricht erfolgte die Gründung des Petersklosters durch König Dagobert im Jahr 706 auf dem Berg der Merwigsburg hieß. Diese Nachricht wurde bisher als falsch angesehen, da im Jahr 706 kein König Dagobert bekannt ist. Die traditionelle Forschung beschäftigte sich ausgiebig mit der Frage, ob es in Erfurt schon im Frühmittelalter ein Kloster auf dem Petersberg gab, und kam zu dem Schluss, dass es vor 1060 ein solches einfach nicht gab [WERNER, 44ff]. Damit hatte sich die weitere Beschäftigung mit der Nachricht erledigt. Ich möchte das Thema erneut aufgreifen, zumal ganz aktuell ERTHEL in seinem Aufsatz die Dagobert-Skulptur im Bereich des ehemaligen Westportals der Peterskirche erwähnt, womit man den vermeintlichen Gründer verehrte [29].

Den Herren ist vielleicht zu helfen. Nach der These von HEINSOHN/BEAUFORT herrschten die Merowinger bis zum Jahr 1057. Dazu mein Beitrag „Geschichte des Frühmittelalters in Mittel- und Westeuropa“. Der letzte Merowingerherrscher war König Dagobert I., der 1057 starb. Vor der Gründung des Klosters St. Peter und Paul "um 1060" soll auf dem Petersberg ein Kanonikerstift bestanden haben, dessen Kanoniker vom Erzbischof für seine neue Klostergründung verjagt worden sein sollen. Dessen Gründung ist also früher erfolgt - vielleicht zur Lebenszeit von Dagobert I. Eine Mitwirkung von König Dagobert an der Klostergründung ist damit nicht ausgeschlossen.
Das in der Urkunde des 12. Jh. genannte Jahr 706 ist dafür jedoch zu spät. Angenommen, diese Datierung ist merowingisch = spätantik, so ergibt sich korrigiert das Jahr 1124 und damit deutlich zu spät für die Gründung des frühen Kanonikerstifts. Möglicherweise ist dem Verfasser der Notiz bei der Jahreszahl ein Fehler unterlaufen.

Nach dem Tod von König Dagobert waren die Herrschaftsverhältnisse im Frankenreich offensichtlich zunächst ungeklärt. Das entstandene Machtvakuum wurde vom Erzbischof von Mainz ausgenutzt, indem er die Stadt Erfurt dem Erzbistum einverleibte.
1051/1056 erscheint die letzte in Erfurt geprägte Münze mit dem Kaiser als Münzherr (Heinrich III. (?)/EB Lupold); danach tritt nur noch der Erzbischof von Mainz als Münzherr in Erfurt auf.
Eine Merowingerburg auf dem Petersberg um 1060 ist damit ebenfalls ohne Probleme nachvollziehbar. Sie dürfte mit der in Erfurt gesuchten Pfalz identisch sein. Das Schicksal der Burg in den Folgejahren ist offen. Der Erzbischof wird wenig Interesse am Erhalt der Burg und jeglicher Erinnerung an die ehemals königliche Macht in Erfurt gehabt haben.

Übrigens, das von HOPF erwähnte Grab, das aufgrund einer Obolus-Münze Lothar I. als karolingisch datiert wird, wird mit der These von HEINSOHN/BEAUFORT kaiserzeitlich. Einfach deshalb, weil die Karolinger entgegen der traditionellen Sichtweise selbst kaiserzeitlich waren (Datierung römisch: Ende 2. Jh./Anfang 3. Jh. bzw. nach u. Z.: Ende 9. Jh./Anfang 10. Jh.) [BEAUFORT]. Das Grab gilt als der erste Nachweis der Nutzung des Petersbergs in karolingischer Zeit [ALTWEIN, 114].

 

Peterskirche und Severikirche - Kirchen des Doppelklosters St. Peter und Paul

Nach meiner Auffassung erfolgte die Klostergründung um 1060 als Doppelkloster St. Peter und St. Paul, wobei das Mönchskloster auf dem Petersberg und das Nonnenkloster am Fuß des heutigen Severihügels errichtet wurden. Die Klosterkirche der Mönche auf dem Petersberg hatte das Patrozinium St. Peter, das Nonnenkloster am Fuß des Bergs das Patrozinium St. Paul.

Beide Kirchen wurden 1079/1080 durch die Truppen Heinrich IV. zerstört  und erfuhren daraufhin zwangsläufig einen Neubau. Dass der Dom als eigentlich wichtigster erzbischöflicher Bau in der Nachricht nicht erwähnt wird, ist logisch, da es den Dom zu dieser Zeit einfach noch nicht gab.

Der 2005 entdeckte Vorgängerbau der Severikirche am Fuß des Severihügels war dieses ehemalige Nonnenkloster St. Paul, das später zur Severikirche bzw. deren Vorgängerbau wurde. Sie ist natürlich keine karolingische Gründung, sondern ein Bau des beginnenden  12. Jh. und damit romanisch. Die Baugleichheit der Chorlösungen der Peterskirche (Dreiapsidenschluss, ab 1103) und der 2005 aufgedeckten Kirche (Dreiapsidenschluss,     12. Jh.) sehe ich als Indiz für die Zusammengehörigkeit.

Die Annahme eines Doppelklosters ist nicht neu. Schon ZIESCHANG [55] schreibt zur Severikirche Erfurt: "Dieses Monasterium war das Benediktinerinnen-Kloster St. Paul, Schwesterkloster der Benediktinerabtei St. Peter auf dem benachbarten Petersberg." Da er die Bemerkung im Zusammenhang mit der Reliquientranslation im Jahr 836 macht, sieht er offensichtlich eine Klosterkirche im 9. Jh. auf dem Petersberg, was ich jedoch verneine.

Auch ERTHEL erwähnt die Möglichkeit eines Doppelklosters. „Das prägende Organisationsmodell für die Hirsauer Reform seit dem späten 11. Jahrhundert bis in die Zwanzigerjahre des 12. Jahrhunderts bildete das Doppelkloster“ [ERTHEL, 32].
Wikipedia zum Begriff Doppelkloster: „In Frankreich, Italien und dem späteren Deutschland erlebten die Doppelklöster ihre Blütezeit im 11. und 12. Jahrhundert. … Im 13. Jahrhundert wurden die Doppelklöster fast überall aufgegeben; eine der beiden Gemeinschaften verschwand oder wurde verlegt.“

Ein Beispiel aus England: Das Doppelkloster Wearmouth-Jarrow. Das Kloster in Wearmouth hatte das Patrozinium Peter, das Kloster in Jarrow St. Paul. Beide standen unter einer Leitung. Die Entfernung zwischen beiden betrug 6 oder 7 Meilen (Beda: in duobos locis posito uni monasterio).

Wie lange die Doppelkirchenfunktion bestanden hat, ist nicht klar. Spätestens im 13. Jh. dürfte diese Funktion aufgegeben worden sein. Mit der Übertragung der Reliquien des hl. Severus wurde die Nonnenklosterkirche in eine Stiftskirche umgewandelt. Die Suche nach einer neuen Funktion für die ehemalige Nonnenklosterkirche dürfte die Reliquientranslation der Severusreliquien ausgelöst haben. Nach der Reliquientranslation erfolgte der Patrozinienwechsel in St. Severus.

Ich sehe die Übertragung der Reliquien des hl. Severus um die Mitte des 13. Jh., nicht im 9. Jh. wie die Schriftquelle vermitteln möchte. Ich denke, dass die Übertragung der Reliquien der Anlass für den Neubau der Severikirche ab 1275 war. Dem widerspricht zwar, dass der Zusatz in der Weltchronik des Ekkehard von Aura, in dem die Severikirche erwähnt wird, nach WERNER schon 1150 erfolgt sein soll. Hier dürfte sich WERNER irren und der Zusatz erfolgte wesentlich später, nämlich erst im 13. Jh. Von größerer Wahrscheinlichkeit ist vielleicht, dass die Weltchronik insgesamt ein Pseudepigraph späterer Zeit ist, wie auch die Chronik Thietmars oder die Sachsenchronik Widukinds.

Der Verbleib des Paulspatrozinium wäre noch anzusprechen. Ging das Paulspatrozinium dann auf die Pfarrkirche St. Paul über, von der heute nur noch der Turm steht? Die Pfarrkirche St. Paul wurde 1216 erstmalig erwähnt.

Topografie des Dom- und Severihügels

Die Topografie des Domhügels muss zur damaligen Zeit völlig anders ausgesehen haben. Da sich die Nonnenklosterkirche St. Paul, der Vorgängerbau der Severikirche, einschließlich Klausur (Sind Teile des heutigen Felsenkellers evtl. Reste der ehem. Klostergebäude?) am Bergfuß befanden, muss das Geländeniveau im Bereich der heutigen Severikirche viel tiefer gelegen haben. Dann muss man von einem Einschnitt zwischen Dom und Severigarten ausgehen, der fast bis zum Niveau des heutigen Domplatzes reichte. Darüber hinaus ist zu beachten, dass sowohl das Gelände des Doms als auch das Gelände nördlich der Severikirche ca. 3 bis 3,5 m tiefer lag. Die 1992 aufgedeckte Westapsis des ältesten Vorgängerbaus lag in 3 m Tiefe. Die unmittelbar nördlich der Apsis der Severikirche Anfang der 60er Jahre erfolgten  Grabungen haben die Reste eines Fachwerkbaus aus dem 10. Jahrhundert in 3,5 m Tiefe nachgewiesen [BEHM-BLANCKE 264ff].
Die jetzige Topografie des Dombergs wurde erst im Zusammenhang mit dem spätromanischen Neubau des Doms ab 1154 für den südlichen Bereich und dem Neubau der Severikirche ab 1275 für den nördlichen Teil geschaffen. Mit der Errichtung der Geraden (Treppenanlage zwischen Dom und Severikirche) im 14. Jh. entstand das noch heute beeindruckende Ensemble beider Kirchen.

Auffällig ist bis heute, dass den zentralen Platz auf dem Domberg die Severikirche einnimmt. Der Dom "klemmt" sich an den südlichen Rand des Berges. Für die Erweiterung des Doms nach Osten durch den Hohen  Chor mussten die Kavaten angelegt werden, da der ursprüngliche Domhügel viel zu klein war. Auch für die Errichtung der Klausur auf der Südseite mussten große Substruktionen angelegt werden. Hieran ist noch die Ursprungssituation ablesbar. Als der Dom errichtet wurde, war nur noch der südlich gelegene Hügel verfügbar (Friedhof?). Der attraktivere Nordhügel war durch eine ältere Bebauung (10. Jh.) besetzt. Der zentrale Bereich war durch die bestehende Paulskirche (Severikirche) ebenfalls belegt. Wenn der Dom die ältere Gründung wäre, wäre mit Sicherheit für diesen eine andere bauliche Lösung entstanden.

 

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Letzte Bearbeitung dieser Seite: 18.09.2016

 

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